Roggelin & Partner bei facebook - gefllt mirDeutsche Sprache English Language jezyk polski Russische Sprache
Loading
Geschftsfelder

Impressum | Datenschutz | AGB | © 2013 Roggelin & Partner

Arbeitsrecht


Arbeitsrecht

Dicke Bewerber

In letzter Zeit häufen sich Verfahren, weil eher nicht ganz so schlanke Menschen meinen, im Rahmen einer Bewerbung diskriminiert worden zu sein.

So hat beispielsweise das Arbeitsgericht Darmstadt am 12.06.2014, Geschäftszeichen: 6 Ca 22/13 entschieden, dass Bewerber grundsätzlich keinen Anspruch auf Entschädigung haben, wenn der Arbeitgeber zum Ausdruck bringt, dass ihm an normalgewichtigen Mitarbeitern gelegen ist.

Verklagt war in diesem Verfahren ein gemeinnütziger Verein, der die Position des Geschäftsführers neu besetzten wollte. Auf diese Position bewarb sich die Klägerin und führte ein Vorstellungsgespräch mit Vertretern der Beklagten. Sie wurde anschließend zu einem zweiten Gespräch eingeladen, erhielt jedoch am Vorabend von der kommissarischen Geschäftsführung eine E-Mail, in der sich diese kritisch über das Übergewicht der Klägerin äußerte, so hieß es beispielsweise

"als ehemalige Dicke möchte ich Sie fragen, was dazu geführt hat, dass Sie kein Normalgewicht haben. Sie müssen diese Fragen nicht beantworten. Aber wenn Sie wollen, können Sie es mir erklären. Es geht dabei auch darum, dass Sie bei unseren Mitgliederversammlungen anwesend sein müssen und wir Vielen immer wieder sagen müssen, dass sie das Thema Übergewicht ausschalten müssen, wenn es um Gutachten und Deferenzialdiagnosen der Borreliose geht. Im jetztigen Zustand wären Sie natürlich kein vorzeigbares Beispiel und würden unsere Empfehlungen für Ernährung und Sport konterkarieren."

Daran sah die Klägerin eine Diskriminierung und verlangte eine Entschädigung in Höhe von 30.000,00 €.

Keinesfalls sei sie übergewichtig, sondern trage die durchschnittliche Damenkleidergröße 42.

Man habe ihr außerdem in einem Telefongespräch mitgeteilt, dass sie nicht zu Vorstellungsgesprächen brauchen komme, wenn sie die Gründe für ihr Übergewicht nicht mitteile.

Ihre Klage blieb ohne Erfolg.

Das Gericht hat dazu ausgeführt, dass die Klägerin keinen Anspruch auf Entschädigung aus dem AGG hat, weil eine Diskriminierung nicht vorliegt.

Es gibt für das Gericht keine Anhaltspunkte dafür, dass die Vorstandsmitglieder über die objektiven Gegebenheiten hinaus von einer behandlungsbedürftigen Erkrankung im Sinne einer schweren Adipositas und hieraus resultierenden Einschränkung für die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe ausgegangen sind.

Eine schwerwiegende Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts liegt ebenfalls nicht vor, weil Arbeitgebern ein großer Entscheidungs- und Beurteilungsspielraum bei der Besetzung von Stellen zuzubilligen ist.

Arbeitgeber dürfen im Rahmen ihrer Entscheidungsfindung auch Umstände berücksichtigen, die zwar nicht zwingend geboten sind, die aber im eigenen billigungswerten Interesse des Arbeitgebers liegen.

‹ zurück zur Übersicht

nach oben