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Sportrecht


Sportrecht

Wenn Anwälte zu langsam sind ...

Das Oberlandesgericht Hamm hat mit einer Entscheidung vom 23.10.2014, 28 U 98/13, den Fall eines von einem Fußballtrainer beauftragten Rechtsanwaltes befasst, der eine Kündigungsschutzklage zu spät einreichte.

Der klagende Trainer war seit 2007 Cheftrainer eines Zweitligisten und war kurz vor Abschluss der Saison 2007/2008 mangels sportlichen Erfolges freigestellt worden war. Mit einem späteren Schreiben kündigte der Verein den Arbeitsvertrag vorzeitig ordentlich zum 31.12.2008.

Der Trainer wollte dies nicht hinnehmen und beauftragte seinen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung seiner Interessen.

Zwar widersprach der jetzt beklagte Rechtsanwalt der Kündigung, reichte jedoch nicht binnen der vom Gesetz vorgesehenen dreiwöchigen Frist Kündigungsschutzklage ein.

Der entlassene Trainer war nun der Auffassung, dass eine Verletzung der anwaltlichen Pflichten vorgelegen habe und Schadenersatz zu leisten sei.

Bei regulärer Fortdauer des Trainervertrages bis zum 30.06.2010 und davon ausgehend, dass die Mannschaft den Klassenerhalt hätte sichern können, in der Saison 2008/2009 einen Platz im Tabellenmittelfeld sowie in der Saison 2009/2010 einen Platz im oberen Tabellenfeld erreicht hätte, ergebe sich ein entgangener Bruttoverdienst aus Grundgehalt und Punkteprämien von über € 600.000,00.

Das Oberlandesgericht hat der Klage im Wesentlichen stattgegeben und entschieden, dass dem Trainer ca. € 330.000,00 bereits jetzt zustehen und hat weiter festgestellt, dass der beklagte Rechtsanwalt weitere Belastungen des Klägers aufgrund von zu entrichtenden Abgaben und Steuern bis zur Höhe von insgesamt ca. € 640.000,00 zu tragen hat.

Es hat hier eine Verletzung des Anwaltsdienstvertrages vorgelegen, weil der beklagte Anwalt nicht binnen drei Wochen Kündigungsschutzklage eingelegt hatte. Die Kündigungs-schutzklage hätte der Trainer auch mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit gewonnen, sodass das bis zum 30.06.2010 vertragsgemäß zu zahlende Gehalt als Schadenersatz zu berücksichtigen war.

Der entlassene Trainer musste sich auch keine anderweitigen Verdienste anrechnen lassen, weil er bis zum 30.06.2010 ohne jede Vergütung bei Vereinen in Italien und Frankreich hospitiert hatte.

Ca. € 330.000,00 muss der Beklagte zahlen, weil der Trainer seinen Nettoverdienstausfall in dieser Höhe beziffern konnte. Diesen Betrag hätte er bei einer Weiterarbeit erzielen können, nämlich das Grundgehalt sowie die vereinbarten Punkteprämien abzüglich ersparter Aufwendungen.

Die Prämien sind nach den unter den Nachfolgern des Klägers tatsächlich erzielten Spielergebnissen zu berechnen. Es kommt nach Auffassung des OLG nicht darauf an, wie die Spielergebnisse mit hypothetischer Beteiligung des Klägers ausgegangen wären.

Da der Kläger durch seine vertragswidrige Suspendierung um die Chance gebracht worden war, bestimmte Arbeitserfolge erzielen zu können, können im Nachhinein hiervon abhängige erfolgsbezogene Vergütungsbestandteile nicht versagt werden.

Einen Anspruch auf den Bruttolohn hat der Kläger nicht, weil er den ausgeurteilten Schadensbetrag noch versteuern muss.

Das Gericht ist hier der sogenannten modifizierten Nettolohnmethode gefolgt, nach der der entgangene Nettoverdienst als Zahlbetrag verlangt werden kann und dann festzustellen ist, dass die von den Finanzbehörden auf die zuerkannte Schadenssumme später berechneten Steuern und Abgaben als weiterer Schaden zusätzlich zu erstatten sind.

 

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