Roggelin & Partner bei facebook - gefllt mirDeutsche Sprache English Language jezyk polski Russische Sprache
Loading
Geschftsfelder

Impressum | Datenschutz | AGB | © 2013 Roggelin & Partner

Steuerrecht


Steuerrecht

Selbständige Handelsvertreter und Steuern

 

Das Finanzgericht Münster hat am 05.03.2015, 5 K 980/12 E, die Frage zu entscheiden gehabt, ob das häusliche Arbeitszimmer den Tätigkeitsmittelpunkt eines selbständigen Handelsvertreters darstellen kann.

 

Geklagt hatte ein Handelsvertreter, der überregional tätig war und im Streitjahr 2010 für insgesamt drei Auftraggeber tätig war, einer davon sitzt in den Niederlanden. Aufgabe des Klägers war es, die Geschäfte zwischen seinen Auftraggebern und deren Kunden zu vermitteln, er gab also die eingehenden Kundenaufträge an die Auftraggeber bzw. Lieferanten weiter, die dann die Auslieferung vornahmen.

 

Für das Jahr 2010 machte er in seiner Einkommensteuererklärung bei seinen Einkünften aus Gewerbebetrieb Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer in Höhe von € 3.595,00 geltend, wovon das Finanzamt lediglich € 1.250,00 anerkannte, weil der Außendienst und nicht das Arbeitszimmer den Tätigkeitsmittelpunkt des Klägers bildete.

 

Der Kläger konnte naturgemäß diese Auffassung nicht teilen und war der Auffassung, dass seine Tätigkeit nach dem Gesamtbild der Verhältnisse nicht durch die Arbeit im Außendienst geprägt sei, er erledige im Arbeitszimmer nicht nur notwendige schriftliche Arbeiten, sondern auch die das Gesamtbild prägenden Tätigkeiten der Handelsvertretung.

 

Er sei kein typischer Handelsvertreter, weil seine Tätigkeit nicht auf bestimmte Regionen beschränkt sei, sondern bundesweit erfolge.

 

Das Finanzgericht gab seiner Klage statt!

 

Es hat seine Entscheidung damit begründet, dass das Arbeitszimmer des Klägers jedenfalls im Streitjahr 2010 den Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen Tätigkeit dargestellt habe, sodass die der Höhe nach unstreitigen Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer auch unbeschränkt abziehbar seien.

 

Das Finanzgericht war der Auffassung, dass der Kläger eben keine klassische Außendiensttätigkeit eines Handelsvertreters ausgeübt habe, seine Tätigkeit ging weit über die Tätigkeit eines Verkäufers im Außendienst hinaus.

 

Er hat Liefergeschäfte von Wurst- und Käse für seine Auftraggeber vermittelt, diese Frischeprodukte jedoch nicht selbst ausgeliefert, sondern stand den Kunden als Ansprechpartner, insbesondere hinsichtlich des Sortiments der Frischeprodukte, der Annahme von Bestellungen und Reklamationen zur Verfügung.

 

Ein erheblicher Anteil seiner Arbeitszeit war darauf entfallen, dass er Preis- und Sortimentslisten, Monatsübersichten und 26-Wochenanalysen für jeden einzelnen Kunden erstellt habe. Der Kläger hat somit hinsichtlich jedes einzelnen Kunden individuelle Angebots- und Bedarfsermittlungen vorgenommen. Dies hat seine Tätigkeit geprägt, der Kläger war im täglichen Geschäft und nicht bei den relativ regelmäßigen Kundenbesuchen diesbezüglich tätig.

 

Die im Arbeitszimmer ausgeübten Tätigkeiten hatten nicht lediglich sogenannten dienenden Charakter und sind für die Tätigkeit des Klägers prägend gewesen. Zwar kann die tägliche Preis- und Sortimentsgestaltung auch unterwegs per Mobiltelefon und Laptop erledigt werden, dies können jedoch nur behelfsmäßige Tätigkeiten zu den im häuslichen Arbeitszimmer verrichteten Tätigkeiten sein.

‹ zurück zur Übersicht

nach oben